Montag, 9. September 2013

Krautsuppe, wie meine böhmische Oma sie immer gemacht hat

Schon von Weitem höre ich das unverwechselbare ploppschmatzen, welches die Gesundheitsschuhe von Gesine Meier-Herne auf dem alten Kopfsteinpflaster erzeugen. Ich schaue hoch und tatsächlich, ich habe mich nicht getäuscht. Die Chef-Disponentin von "Fracht-Shipping & More" kommt mit großen Schritten auf meinen Imbiss zu.

"Guten Morgen, Frau Currywurst, ich hätte da mal eine Bitte. Ich würde so gerne mal wieder Krautsuppe essen, haben Sie da ein Rezept?"

"Aber selbstverständlich", antworte ich und verwerfe meinen eigentlichen Plan für den heutigen Mittagstisch. "Kommen Sie doch einfach zur Mittagszeit wieder, dann ist die Suppe fertig."

Gesine Meier-Herne nimmt noch eine Kaffee "auch für Togo" und verabschiedet sich, denn die Arbeit ruft. Ich indessen klettere mal wieder in die Katakomben meines Imbisswagens hinab und gehe den schmalen, dunklen Gang entlang, bis ich zum sogenannten Trocken-Lager komme. Ich betrete den Raum und schalte das Licht an. In den Regalen sind alle Vorräte, die keiner weiteren Kühlung bedürfen untergebracht und ich packe

1 große Dose Sauerkraut und
1 mittlere Zwiebel

in meinen Korb. Nun gehe ich hinüber in die separate Kühlkammer und nehme

250 g geräucherten Bauchspeck
4 Krakauer Würstchen (wir mögen keine Debreziner)
1 Becher Schmand und
750 ml kräftige Fleischbrühe, die ich in Flaschen abgefüllt habe. 

Butterschmalz 
Tomatenmark und
Paprikapulver, edelsüß 
Salz und Pfeffer (optional zum Nachwürzen)

habe ich oben im Kühlschrank, in dem ich die Waren für das übliche Tagesgeschäft untergebracht habe.

Kümmel, so hat mir Frau Meier-Herne noch anvertraut, verträgt sie überhaupt nicht und ich finde, dass sich das gut trifft. Denn mit Kümmel kann man mich jagen und meine Oma war immer so nett und hat mir eine Portion dieser Suppe abgezweigt, bevor sie mit dem Gewürz hantierte. 

Als ich wieder in der Küche meines Imbisswagens stehe, lege ich mir die Zutaten zurecht und beginne mit der Zubereitung der Krautsuppe.

Ich schäle die Zwiebel und schneide sie in feine Würfel. Dann schneide ich die Knorpel und Knöchelchen aus der Bauchspeck-Seite, schneide die Schwarte ab und den Speck über die schmale Seite in fingerdicke Streifen. Ich stelle einen Topf auf den Herd, gebe Butterschmalz hinein und erhitze dieses. Nun füge ich die Zwiebelwürfel und die Speckstreifen hinzu und lasse sie glasig angehen. Ich öffne die Dose mit dem Sauerkraut und hacke das Kraut auf meinem Brettchen ein paar mal mit dem großen Kochmesser durch, damit man die Suppe nachher eleganter essen kann. Nun gebe ich das Tomatenmark zu dem Zwiebel-Speck und vermische alles, bevor ich das Sauerkraut zufüge und alles mit der Fleischbrühe aufgieße. Hierbei ist darauf zu achten, dass das Sauerkraut nicht im tiefen Becken schwimmt, sondern höchstens knapp bedeckt ist. Ich würze mit ungefähr 2 Esslöffeln Paprika und lasse alles für ca. 15 Minuten mit geschlossenem Topfdeckel kochen. 

In der Zwischenzeit habe ich einen weiteren Topf mit etwas Wasser aufgestellt, in dem ich die Krakauer Würste brühe. Ok, es sind zwar eigentlich Grillwürste, aber in diesem Fall kann ich sie in gegrillt nicht gebrauchen und so brühe ich sie eben.

Als die Suppe fertig ist, schneide ich die Wurst in üblichgroße Suppenwurst-Stücke und gebe sie in die  ... na klar, Suppe und lasse alles noch ein kleines Weilchen auf kleiner Flamme ziehen.

Als Gesine Meier-Herne kommt und eine Portion ordert, richte ich die Suppe auf einem tiefen Teller an und gebe einen Klecks Saure Sahne darauf.

Gespannt beobachte ich die Chef-Disponentin und bin auf ihre Reaktion gespannt ... 

"Lecker!", sagt sie, nachdem der Teller leer und die Lippen abgetupft sind, "und sie haben sogar den Kümmel weggelassen." "Na klar, habe ich ... und völlig uneigennützig" grinse ich in mich hinein ...

Donnerstag, 5. September 2013

Spaghetti mit Würstchen à la Pippi Langstrumpf

"Moin Uschi", grüßt Tom, die studentische Hafenhilfskraft für alle Fälle, lässig, als er an den Imbisswagen tritt. "Du weißt ja schon, dass heute der 5. September ist, näää!?" fragt er und ich ziehe misstrauisch die rechte Augenbraue bis kurz unter meinen Seitenscheitel, ahnend, dass jetzt irgendetwas religiöses kommt und antworte ziemlich verhalten: "Jaaaaaaaaaaa!?", woraufhin mir Tom erklärt, dass er aus religiösen Gründen jedes Jahr am 5. September nur und ausschließlich Spaghetti essen dürfte, so wie die, die  Pippi Langstrumpf dereinst in der Villa Kunterbunt gekocht hat. 

"Womit habe ich das nur verdient" stoßseufze ich und krame mein Astrid-Lindgren-Kochbuch hervor, in dem die Autoren die Rezepte aus den diversen lindgrenschen Büchern zusammengetragen und dann recherchierten, wie diese Gerichte üblicherweise in Schweden gemacht werden.

Aber nun zu Pippi Langstrumpf und ihren Spaghetti.

Ich klettere die steile Stiege in die Katakomben des Imbisswagens hinab und suche mir die Zutaten (wie immer schreibe ich für das Blog die haushaltsüblichen Mengen auf) zusammen

500 g Spaghetti
600 g Wiener Würstchen
4 kleine Zwiebeln
4 Butter
8 Tomatenmark
500 ml Fleischbrühe

und eile wieder nach oben. 

Schnittlauch und Petersilie 

wachsen in den Blumenampeln, die ich rund um meinen Imbisswagen aufgehängt habe und ich schneide zunächst die entsprechende Menge Petersilie ab. Als ich gerade dem Schnittlauch an's Leder will, sozusagen, überlege ich, dass ich den weglassen werde, weil ich finde, dass der nicht so gut dazu passt.

Nachdem ich alle Zutaten beisammen habe, schalte ich den Herd ein und stellen einen großen Topf mit Wasser auf, in dem ich später, nachdem ich das Wasser gesalzen habe, die Nudeln gare. Nun schneide ich die Würstchen in dünne Scheiben und die Zwiebeln in feine Würfel. 

Zwischenzeitlich stelle ich einen weiteren Topf auf den Herd und gebe die Butter hinein, um die Zwiebeln darin glasig zu dünsten. Nun rühre ich das Tomatenmark unter und fülle mit der Fleischbrühe auf. Ich lasse alles so lange köcheln, bis es eine saucige Konsistenz hat - ein bisschen flüssig darf es aber trotzdem noch sein. Dann  füge ich die Wurstscheiben zu und erwärme sie in der Sauce. Zu guter Letzt hebe ich die gehackte Petersilie und die mittlerweile bissfest gegarten und abgeschüttelten Spaghetti unter und vermenge alles gut.

Ich bin gerade fertig, als Tom um die Ecke geschlendert kommt, fast so, als ob er es gerochen hätte, und lässt sich die erste Portion des Tages geben. Als er den ersten Bissen hinuntergeschluckt hat, strahlt er über das ganze Gesicht und teilt mir zufrieden mit: "Boah Uschi, genau wie damals in der Villa Kunterbunt." Und nachdem er einigermaßen gesättigt ist, macht er sich einen Bart aus Spaghetti, denn er will auch einmal Seeräuber werden ... später, wenn er erwachsen ist.