Freitag, 30. Dezember 2016

Pelmeni? Nicht dein Ernst!? - Oder: Wunder dauern etwas länger ...

"Uschi ... UUUUUSCHIIIIIIIII", höre ich Biggy rufen. Untermalt wird das Ganze vom rythmischen Geklacker ihrer High Heels und mir schwant nichts Gutes. Schnurstracks steuert sie auf meinem Imbiss zu, in dem ich mit den Vorbereitungen für den Tag beschäftigt bin. So sehr ich meinen Beruf liebe, aber manchmal finde ich es schon ein bisschen lästig, dass der Gastraum und die Küche nicht strikter voneinander getrennt sind und alles irgendwie öffentlich statt findet. Aber gut, ist jetzt eben so und so wende ich mich ergeben Biggy zu, die schnaufend an der Theke steht und mich durch die transparente Trennscheibe zu sich her guckt. 

"Duuuuuuuuu_huuuuuu, Uschi, Spezialauftrag", fängt sie an und ich ahne es schon. Zu Silvester ereilt mich irgendein Ungemach, weil sich irgendeine Verwandtschaft bei ihr einnistet und genau so kommt es auch ... "Duuuuuuuuu_huuuuu, Uschi, an Silvester kommt meine russische Schwiegermutter zu Besuch und die möchte gerne Pelmeni essen - was immer das auch ist. Naja, könntest du mir vielleicht welche machen? So zum mitnehmen und zu Hause fertig kochen? Büüüüüüütte!" Biggy guckt mich an und wie immer kann ich ihrem Blick nicht wiederstehen. Aber Pelmeni? Das bedeutet Nudelteig machen. Naja gut, Nudelteig ist es jetzt nicht direkt, denn der Teig für Pelmeni besteht aus Mehl, kalter Butter, einem Ei und kaltem Wasser. Außerdem muss ich aus Schweinehackfleisch und Zwiebeln die Fülle bereiten. Mann, mann, mann, was das wieder an Zeit kostet. Warum muss ich mich auch immer wieder breitschlagen lassen und für Biggy irgendwelche Extrawünsche zaubern. Spezialauftrag! Paaaaah! Aber nützt jetzt nichts, versprochen  ist ... 

"Verspochen ist versprochen!" brüllt Biggy aus dem Fenster ihres Büros im Hafenkontor. Ich rolle wild mit den Augen und es ist gut, dass mich niemand dabei sieht, denn der könnte meine, ich sei dem Wahnsinn verfallen. Aber fehlt eh nicht mehr viel. 

Wie dem auch sei, ich knete aus 480 g Mehl, 70 g kalter Butter, einem Ei, einem Teelöffel Salz und kaltem Wasser einen glatten Teig, den ich in Frischhaltefolie einschlage und dann für ca. eine halbe Stunde zum Ruhen in den Kühlschrank lege. Jetzt kommt die Füllung dran. Eigentlich sollte ich jetzt Schweinefleisch durch den Fleischwolf drehen und Zwiebeln feinst hacken, aber dazu habe ich keine Lust und so nehme ich einfach 3 feine Bratwürste und drücke das Brät in eine Schüssel ... 

Ich hole mein Backbrett aus dem Keller und lege es auf die Arbeitsfläche, dann schütte ich ein wenig Mehl darauf, um den Teig hauchdünn auszurollen. Nun pinsele ich die halbe Teigplatte mit verschlagenem Ei ein, gebe je etwas Brät im Abstand auf die eingeeite (ein ge Ei te) Fläche und decke diese Hälfte mit der anderen zu. Nun drücke ich den Teig überall dort, wo keine Füllung ist, fest zusammen und steche die kleinen Biester mit einem runden Ausstecher aus. Den restlichen Teig knete ich noch einmal schnell zusammen und wiederhole die Prozedur solange, bis Teig und Fülle aufgebraucht sind. Von Vorteil ist es übrigens, wenn man die rohen Pelmeni mit Mehl einstäubt, denn dann kleben sie nicht so zusammen, während sie auf ihr Vollbad warten. 

Ich brauche einen Topf. Einen großen Topf mit Brühe darin, in dem ich die Pelmeni gar ziehen lassen kann. Aber kein Problem, ich nehme einfach den, in dem ich vorhin die Würstchen warm gemacht habe, fülle noch etwas Brühe hinein und bringe das Ganze zum Kochen. Nun gebe ich die Pelmeni portionsweise hinein, lasse die Brühe einmal aufwallen und schalte die Temperatur etwas runter. Nun können die Pelmeni gar ziehen und das sind sie, wenn sie oben schwimmen. 

Nun stelle ich eine Pfanne auf den Herd, gebe etwas Schmalz und Butter hinein und brate die gekochten Pelmeni darin knusprig braun an. Das wird Biggy am Silvesterabend ja wohl hinbekommen. So, jetzt schnell noch die gebratenen Nudelkissen aus der Pfanne nehmen und auf einem Küchenpapier entfetten. 

Kaum sind die Pelmeni fertig, kommt eine Enduro vorgefahren. Die Fahrerin stellt ihr Bike ab und marschiert zielicher und großschrittig auf meinen Imbisswagen zu. Ach, jetzt erkenne ich sie ... und die Wiedersehensfreude ist riesig. "Ursel, meine Güte, wie das duftet," sagt sie und ich schiebe ihr den ersten Teller des Tages über den Tresen ...


Kommentare:

  1. Meine Güte, ich bin fast nicht wieder in den Sattel meiner Enduro gekommen, so lecker waren deine Pelmeni. Tausend Mal besser, als alles, was ich unterwegs bekommen habe. Aber dass die so höllisch viel Arbeit machen, hätte ich nicht gedacht. Nudelteig... Ich wusste nicht mal, dass es sowas gibt. Das ist sowas wie Birkel flüssig, oder? Nun, ich muss es ja nur essen und das tu ich nirgends lieber, als bei dir am Wagen.
    Schade, dass Biggy schon weg war, sie erzählt so farbenfroh aus ihrem Alltag.

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    1. Es freut mich immer, wenn es schmeckt und wenn reichlich gegessen wird. ein schöneres Lob gibt es gar nicht.

      Oh ja, unsere Biggy ... *grins* ... sehr farbenfroh :-)

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    2. "Reichlich gegessen wird..." Hmpff...
      Hast du Underberg da?

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    3. Klar ... *grinsend in's regal greif* ... Bitte schön, geht auf's Haus :-)

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  2. Pelmini sind ein bisschen wie chinesische Jaozi, allerdings kann man den Teig -- wieder beim lustigen Nudelmann um die Ecke -- fertig kaufen. Allerdings wird der Teig mit der Füllung so halbmondförmig zusammengedrückt. Wenn man es in Salzwasser kocht, ist der Trick, dass man es drei Mal aufkochen lässt, dann sind sie fertig. Leider mag mein Morli Jaozi nicht so gerne, sonst würde ich die viel öfter machen... Ausbraten kann man sie dann auch, muss man aber nicht.

    So long,
    Corinna

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